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 Wir freuen uns über die Möglichkeit, Ihnen hier unsere Fraktion "Psychotherapeuten-OWL näher vorzustellen und Sie mit unserer Arbeit und unseren Zielen vertraut zu machen.

Außerdem können Sie hier persönlich die Köpfe kennenlernen, die hinter unserer Arbeit stehen - und diejenigen, die sie ausführen.

Detaillierte Informationen erhalten Sie, indem Sie einfach auf die entsprechenden Links klicken.

 

 

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Neuer Präsident der PTK-NRW gewählt!

 

lesen Sie mehr dazu auf der Seite "Kammerarbeit"

 

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Am 25. September 2014 ruft ein breites Bündnis von psychotherapeutischen Berufs- und Fachverbänden in Berlin
zu einem Aktionstag mit Demonstration zur Verbesserung der Honorarsituation niedergelassener Psychotherapeuten
auf. Welche Forderungen werden erhoben und an wen sind sie gerichtet?
Der Anstoß für diesen Aktionstag war die Tatsache, dass der Bewertungsausschuss (eine Einrichtung der gemein-
samen Selbstverwaltung, der die vertragsärztliche Vergütung festlegt) seine eigenen Terminvorgaben (30. Juni 2014)
nicht einhielt und wieder keinen Beschluss dazu fasste, ob und in welchem Umfang Nachzahlungen auf der Basis der
BSG-Vorgaben für die Jahre 2010 bis 2012 fällig werden. Unsere Forderungen gehen in zwei Richtungen:
1. die KVen sollen endlich die Nachzahlung aus den Jahren 2009 - 2013 nachzahlen und
2. im Rahmen der EBM-Novellierung zum 1.1.2016 eine Punktzahlerhöhung, die uns endlich von der durch das BSG
definierten Mindestvergütung wegführt, hin zu einer am kalkulatorischen Arztlohn orientierten Vergütung.


Welche Aktionen sind geplant?
Es wird einen Demonstrationszug geben und anschließend eine Kundgebung vor dem Bundesgesundheitsministerium
mit möglichen weiteren Aktionen.

Teilen Sie die Befürchtung des „Berufsverband der Vertragspsychotherapeuten e.V.“, dass „der Aktionstag aufgrund
geringer Teilnehmerzahl eher als lächerlich empfunden wird und genau die gegenteilige Wirkung hat“?

Ich bin überzeugt davon, dass sich eine große Zahl an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an dem Aktions-
tag beteiligt.

Haben Sie Kenntnis darüber, warum der Bewertungsausschuss seinem eigens am 18.12.2013 gefasstem Beschluss, bis
zum 30.06.2014 über die Anpassung der Bewertung der psychotherapeutischen Leistungen für die vergangenen Jahre
zu entscheiden, nicht nachgekommen ist?

Offiziell ist darüber meines Wissens nichts bekannt, ich vermute jedoch, dass die Hochrechnungen ergeben haben, dass
die Nachzahlungen zu teuer werden, wenn man sie gemäß der Vorgaben des Urteils vom BSG auszahlen würde. Wahr-
scheinlich versucht man jetzt alternative Berechnungsmodelle zu finden, um weniger Geld auszahlen zu müssen. Hier-
gegen werden wir uns wenn nötig auch gerichtlich zur Wehr setzen.

Wie ist es zu erklären, dass die psychotherapeutischen Honorare seit 2009 nur geringfügig verändert wurden – im Gegen-
satz zu den Steigerungen der Haus- und Facharzthonorare?

Es ist ja schon seit vielen Jahren die Taktik der KVen, keine oder nur sehr geringfügige Anpassungen der psycho-
therapeutischen Honorare vorzunehmen und die Psychotherapeuten immer wieder dazu zu zwingen, den Klageweg zu
beschreiten.

Braucht es neben der Demo weitere Maßnahmen, um die Organe zu ihrer Arbeit zu bewegen? In der Vergangenheit
mussten die Psychotherapeuten schon mehrmals den Klageweg einschlagen, der dann immer eine Verbesserung und
Korrektur brachte. Warum wird das nicht auch bereits jetzt gemacht, bzw. wissen Sie von konkreten Plänen in dieser
Richtung?

Natürlich wird von den Berufsverbänden auch der Klageweg beschritten, so sind in Westfalen-Lippe Verfahren für 2009,
2010 und 2011 beim Sozialgericht Dortmund anhängig. Leider ist das Sozialgericht hoffnungslos überlastet, so dass
bisher nicht abzusehen ist, wann die Klagen verhandelt werden. Mittlerweile laufen Verfahren auch in anderen Bundes-
ländern, so in Hamburg, Sachsen, Hessen, Bayern usw. Hessen klagt bereits gegen die Vergütung 2013. Wichtig ist in
diesem Zusammenhang, dass die Kolleginnen und Kollegen jedes Quartal Widerspruch gegen ihre Abrechnung einlegen,
denn nur dann werden sie auch eine Nachzahlung erhalten.

Von den Psychotherapeutenverbänden wird gefordert, dass die niedergelassenen Psychotherapeuten bei gleichem
Einsatz ein den niedergelassenen Ärzten entsprechendes Einkommen erzielen. Wie hoch ist das durchschnittliche
Einkommen der Psychotherapeuten und gibt es Berechnungen über die Arbeitszeiten und den Gewinn vor Steuern nach
Abzug aller Kosten anhand objektiver Daten in Gegenüberstellung zu den Arztgruppen?

Der KBV Honorarbericht für das erste Halbjahr 2011 weist für die Psychotherapeuten einen Überschuss, d.h. Umsatz
minus Praxiskosten vor Steuern und Versicherung, von 4.276 € pro Monat aus. Demgegenüber steht ein gemittelter
Überschuss der Ärzte von 10.553 €.
Auch wenn immer wieder die falsche Behauptung erhoben wird, die Psychotherapeuten arbeiteten zu wenig, wird diese
Behauptung durch permanente Wiederholung nicht richtiger. Tatsache ist, die Psychotherapeuten erfüllen ihren
Versorgungsauftrag wie jede andere Facharztgruppe. Gemäß eines Berichtes der KBV, bezogen auf das Jahr 2012, beträgt
die Arbeitsleistung eines Psychotherapeuten im Durchschnitt 42 Stunden pro Woche.

Um Fragen und Kritikpunkten zu begegnen, spiele ich mal den Advocatus Diaboli: Bilden die Psychotherapeuten nicht zu
Recht das Schlusslicht beim Einkommen, weil sie als einzige Gruppe im KV-System eben keine Ärzte sind? Und ist die
geringere Honorierung nicht unter dem Aspekt der geringeren Kosten (medizinisches Gerät, Praxisausstattung und Personal)
gerechtfertigt?

Diese Frage könnte ich mit einer Gegenfrage beantworten: bilden die ostwestfälischen Ärzte nicht zurecht das Schlusslicht
beim Einkommen gegenüber zum Beispiel den Ärzte aus Bayern? Nun aber zu Ihrer Antwort: 15 Jahre nach Verabschiedung
des Psychotherapeutengesetzes gibt es aus meiner Sicht eine gute und kooperative Zusammenarbeit von Ärzten und Psycho-
therapeuten. Die Zeiten von Konkurrenzdenken und Neid sind längst überwunden und wir setzen uns gemeinsam für eine
angemessene Honorierung unserer Leistungen ein; so wie der Vorsitzende der KVWL Vorsitzende Herr Dr. Dreyden immer
wieder fordert „gleiches Geld für gleiche Leistung“.
Bei der Berechnung der Honorare sind die Praxiskosten bereits heraus gerechnet und danach ergibt sich, wie bereits erwähnt,
eine Differenz zwischen dem durchschnittlichen monatlichen Überschuss der Ärzte und denen der Psychotherapeuten von ca.
6.000 €. Konkret bedeutet das: die Psychotherapeuten erzielen nach Abzug der Kosten ein um 50% geringeres Einkommen
als die Ärzte.

Warum fordern die Psychotherapeuten nicht nur eine zukünftige Erhöhung der Honorare, sondern auch eine rückwirkende
Anpassung für die Jahre 2009 – 2013? Weder die KBV noch die Krankenkassen werden Interesse daran haben, im Bewertungs-
ausschuss einen Beschluss zu fassen, der Nachberechnungen und Nachzahlungen zur Folge hat, oder?

Die Psychotherapeuten mussten bisher immer eine angemessene Honorierung vor den Gerichten einklagen, wobei sich
die Höhe der Forderungen an dem Einkommen vergleichbarer Arztgruppen orientiert. Auch hier gilt der Grundsatz
„gleiches Geld für gleiche Leistung“ und dem haben die Gerichtsurteile bisher auch immer entsprochen. Natürlich löst diese
Forderung wenig Begeisterung bei der KBV und den Krankenkassen aus; ich gehe jedoch davon aus, dass denen sehr wohl
bewusst ist, dass den Psychotherapeuten eine Nachzahlung für die Jahre 2009 - 2013 zusteht.

Warum wird die einzelne Arbeitsstunde eines Psychotherapeuten im direkten Patientenkontakt unterschiedlich bewertet?
Gibt es inhaltliche Begründungen dafür, dass z.B. eine Probatorische Sitzung im Vergleich zu einer späteren Therapiestunde
bei gleicher Zeitdauer deutlich geringer vergütet wird? Gibt es Bestrebungen dies zu verändern?

Die unterschiedliche Bezahlung einer Arbeitsstunde des Psychotherapeuten ist fachlich in keiner Weise gerechtfertigt.
Da es sich um eine zeitgebundene Leistung handelt, fordern wir seit Langem, dass die Bezahlung pro Stunde für alle
Leistungen gleich vergütet wird. Gerne wiederhole ich auch in diesem Zusammenhang noch
einmal die Forderung: „Gleiches Geld für gleiche Leistung!

Andreas Wilser
Bielefeld, d. 14.09.2014

 

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Online – Psychotherapie / Beratung

Die psychotherapeutische Landschaft im Umbruch?

Referenten:

Dipl. Psych. Maria Böttche, wiss. Mitarbeiterin Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der FU-Berlin

Dipl. Psych. Jürgen Hardt, ehemaliger Präsident der Psychotherapeutenkammer
Hessen

RA Jan Frederichs, Justitiar des BDP

 

Referentin: Dipl. Psych. Maria Böttche

Titel: Überblick des Forschungsstandes zur internetbasierten Psychotherapie

Mittlerweile existiert ein großes Spektrum internetbasierter therapeutischer Interventionen, die vielfältige Einsatzmöglichkeiten bieten. Der überwiegende Anteil der publizierten Wirksamkeitsstudien basiert auf therapeutenunterstützten Selbsthilfeprogrammen und störungsspezifischen Manualen. Die häufigsten Anwendungsgebiete internetbasierter Therapieangebote stellen bislang die Angststörungen (u.a. Posttraumatische Belastungsstörung, Panikstörung) und Depressionen dar.

In der Präsentation wird der aktuelle Stand der Forschung dargestellt, in dem vor allem auf den Aspekt der Wirksamkeit sowie auf die Einsatzmöglichkeiten neuer Medien in der Psychotherapie (und deren Grenzen) eingegangen werden soll. Weiterhin stellt die Gestaltung der therapeutischen Beziehung einen inhaltlichen Schwerpunkt des Vortrages dar. Durch die Vorstellung praktischer Therapiesequenzen soll ein konkretes Bild einzelner bestehender internetbasierter Therapieangebote vermittelt werden.

 

Referent: Rechtsanwalt Jan Frederichs

Titel: Rechtliche Rahmenbedingungen für Online Psychotherapie

Internetbasierte Interventionen zur Beratung und Behandlung von Menschen mit Störungen, bei denen Psychotherapie indiziert ist oder sein könnte, werfen eine Reihe berufsrechtlicher Fragen auf, z. B. die des Approbationsvorbehalts, der Notwendigkeit persönlichen Kontaktes, der angemessenen Honorierung wie auch des Einhalts von Schweigepflicht, Dokumentationspflicht. Die Neu- und Andersartigkeit dieser Interventionen verlangt neben der berustidentifizierenden auch nach juristischer Klärung, die (noch) nicht ausreichend durch Rechtsprechung gegeben ist.

 

Referent: Dipl. Psych. Jürgen Hardt (Ehemaliger Präsident der Psychotherapeutenkammer Hessen)

Titel: »Psychotherapie unter der Herrschaft des Man – Subjekt und Beziehung in der Internettherapie«

Medien wirken auf Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen ein, das muss jede Psychotherapie, die sich Medien bedient - und das tun wir immer - ein-berechnen.
Die sogenannten neuen Medien haben wegen ihrer unkontrollierbaren Verbreitung, der Merkantilisierung und ihrer Indiskretion einen unbemerkten großen Einfluss auf basale kulturelle Konzepte (Auflösung von Privatheit und persönlicher Identität, Errichtung einer virtuellen Scheinwirklichkeit zwischen Realität und Phantasie u.ä.m.); was verantwortlicher Weise bedacht werden muss, wenn die Psychotherapie ans Netz geht. Angesichts der Wirksamkeitsstudien stellt sich die Frage, um welche Psychotherapie es sich handelt, wenn sie ohne Qualitätsverlust virtuell praktiziert werden kann: es ist eine Psychotherapie des Man. Eine Psychotherapie des Selbst setzt eine leibhaftige Begegnung in einer geteilten Situation voraus. Das wird durch den mediengeschichtlichen Aspekt jeder personalen Entwicklung (Vorsprache - Privatsprache - Hochsprache - Schriftsprache) verdeutlicht.

 

 

Eine sehr interessante Veranstaltung und ein gelungener Start in eine spannende Diskussion zum Thema Onlinepsychotherapie!

Psychotherapeuten OWL